

Letzten Montag, am 17. Mai 2010, ist mein langjähriger Judo-Trainer verstorben. Ein sehr fürs Judo engagierter und leidenschaftlicher, wenn auch nicht immer einfacher Mann war er. Ca. elf oder zwölf Jahre war ich alt, als ich ihm das erste mal begegnete. Endgültig gelöst vom Judo habe ich mich eigentlich immer noch nicht, so ist doch meine Trainer-B-Lizenz / Leistungssport für Judo durch meine regelmäßigen Fortbildungen bis heute noch gültig, also weit über 20 Jahre. Regelmäßig habe ich mir im Bundesleistungszentrum in Köln für den Stempel ein paar blaue Flecke abgeholt, aber auch immer allgemein wertvollen Theorie-Input auf hohem Niveau. Seit etwa 1995 unterrichte ich keine feste Gruppe mehr im Judo, um andere Wege einzuschlagen. Die Nachricht von diesem Tod hat mich dennoch sehr berührt, hat die Zeit mit ihm doch eine lange und wesentliche Phase meines Lebens mit geprägt.
Fast zeitgleich zu dieser traurigen Nachricht ging mir durch den Kopf, wie ähnlich sich die erste Kontaktaufnahme im Judo mit dem Gegenüber / Partner / Gegner, den ersten Momenten in einem freien "Tui Shou" ähneln. Auch wie oft Könner der Anwendungen demonstrieren, wie gerade Wurf- und Hebeltechniken Bestandteil des Taijiquan sind. Letzteres habe ich schon oft bemerkt und kämpfe neim Tui Shou oft mit alten Reflexen um diese nicht zuzulassen, weil sie gerade nicht gefragt sind. Fast unheimlich ist es, wie sich ein Kreis schließt und mein Wunsch über die Form hinaus Taijiquan zu beGREIFEN habe ich schon länger, trotz fertiger Lehrerausbildung, das Thema kam für meinen Geschmack viel zu kurz und ich suche nach mehr Erfahrungen darin und Stärkung meiner Lehrkompetenz.
Lange hat es gedauert bis ich ein erfolgversprechendes Angebot für Taijiquan fand, dass sich ernsthaft und intensiv mit den "schiebenden Händen", "Push-Hands", "Tui Shou" auseinandersetzt. Bei Martin Neumann und Giles Rosbander - zum Glück hier in Berlin bei "bitak"- konnte ich das jetzt finden, seit etlichen Jahren haben sie sich dem Yang-Stil-nahem "Ma Tsun Kuen Tai Chi Chuan" verschrieben. Das Video, das die beiden dazu fabriziert haben, ist sehenswert und aufschlußreich. Mein größter Kampf ist als Teilnehmer dieser Reihe von Wochenenden zum Thema alte Muster auszublenden, auch vor allem wenn ich mit an Kraft und Gewicht unterlegenen Menschen übe. Der Selbstbetrug lauert überall, was das bedeutet, kann am besten der / die nachvollziehen, der es selbst praktiziert. Ein sinnloses "rühren" der Arme oder mit reiner Kraft und Masse zum Ziel zu kommen, sind die Feinde des echten Tui Shou, einer Vorstufe des "echten" Kampfes mit viel Bezug zur Form. Gerade wer lehrt, sollte damit gut umgehen können. Mein Appell an alle Formenliebhaber ist, sich damit auseinanderzusetzen. Taijiquan ist mehr als Formen. Glaubt mir, es tut sich eine neue Dimension auf. Ihr sollt ja nicht Eure Formen dabei vergessen, ganz im Gegenteil... ;-)
Gunnar
Letzten Sonntag war ich zum Jubiläum in der Tai Ji Schule von Isolde Schwarz eingeladen. Gefeiert wurden 20 Jahre ihres Tai Ji Weges mit vielen Begegnungen, Vorführungen, Überraschungen und einem leckeren Büfett. Schon beim Eintreten umfing mich eine Atmosphäre der Harmonie, der Energie und eine fröhliche Runde von Tai Ji Übenden und Freunden. Ein schönes Gefühl fing mich ein und ich fühlte mich sofort geborgen in dieser Runde.
Schon ging es los mit den Vorführungen und freudvollen Themen wie Qigong, Tai Ji mit Fächern, Tanz des Kranichs, kleinen lustigen Episoden von Übenden und Lehrern, Wassermusik, Gedichten und Geschichten, Tanz mit dem Qi.
Ein wichtiger Anlaß war gleichzeitig die Verleihung der Ausbildungszertifikate an zwei ihrer Schülerinnen, die ihren Tajiquan- Meilenstein gefeiert haben.
Ich werde diesen schönen Tag lange nicht vergessen und davon zehren.
Danke an Isolde, Veronique und Brigitte.
Eure Marion